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Uraufführung in Ansbach

Komponist Jüri Reinvere schreibt für ungewöhnliche Besetzung

 

Der estnische Komponist Jüri Reinvere hat im Auftrag der Bachwoche ein neues Kammermusikwerk geschrieben. "Der Stern von Waltershausen" ist eigens für das Konzert "Trompete, Orgel und Violine" entstanden. Das Stück habe durchaus einige Bach-Bezüge, erklärt der Komponist. Dennoch sei es kein Konzert nach barockem Muster. Besonders interessierte sich Reinvere für die aparten Klangfarben, die sich in der Besetzung der drei Instrumente Violine, Trompete und Orgel ergeben. „Ich würde sagen“, so Reinvere, „dass die Trompete und die Violine den Orgelklang veredeln.“
Das Werk wird am 31. Juli 2019 in der Kirche St. Johannis zur Uraufführung gelangen. Die Solisten sind Simon Höfele (Trompete), Sebastian Küchler-Blessing (Orgel) und Franziska Hölscher (Violine). 

 

4 Fragen an Jüri Reinvere:

  1. Wie und wann sind Sie mit Bach zuerst in Berührung gekommen?
    Im Klavierunterricht, als ich 6 Jahre alt war, im Tallinner Musikgymnasium. Es war sehr schwer. Ich musste eine Gavotte spielen, mochte aber meinen Lehrer überhaupt nicht. Erst, als eine junge Studentin, die mit mir ihr Praktikum machte, für 3 Monate den Unterricht übernahm, kam mir Bach näher. 
     
  2. Auf welche Weise inspiriert Bach einen Komponisten?
    Dadurch, dass er sich trotz eines großen Könnens immer wieder schwere Aufgaben sucht. Darin, dass er für eine immense Lebensleistung sehr praktische, effektive Lösungen sucht und sein Material in immer neuen Kontexten verwendet. Ich führe ständig Gespräche einer Bach-Kriminalistik, weil ich glaube, Bach hatte eine Schatztruhe mit Ideen und halbfertigen Werken, in die er immer griff, wenn er dringend Material brauchte. Dazu kommen seine zwei wunderbaren Frauen, ohne deren Können und Weisheit er sein Werk hätte nicht schaffen können.
     
  3. Wird Bach in Estland gespielt / gesungen? 
    Ja, viel, genau so wie in Deutschland auch. Estland hat eine große Orgeltradition, die bis in die Zeit Luthers zurückreicht. Der Organist der Johanniskirche in Dorpat, dem heutigen Tartu, soll zum Beispiel jener Tobias Kühnhold aus Waltershausen gewesen sein, dessen Familie Johann Sebastian und Johann Jacob Bach auf deren Reise von Eisenach nach Ohrdruf beherbergt hat. Die Chöre in Estland singen Bach ganz selbstverständlich. 
     
  4. Ein Leben ohne Bach wäre möglich, aber …
    ... Gott sei dank, nur theoretisch. 

    (4 Fragen an... ist eine Rubrik aus dem Almanach der Bachwoche)

 

 

Jüri Reinvere

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