Drei Jahrzehnte bei der Bachwoche

Hanns-Martin Schneidt bei der Bachwoche 1979

03.07.2018

Von 1961 bis 1991 war Hanns-Martin Schneidt in Ansbach als gefeierter Dirigent, Organist und Cembalist zu erleben. Nun ist der gebürtige Unterfranke im Alter von 87 Jahren verstorben.

 

Zu Beginn ein symbolträchtiges Datum: Am 28. Juli 1961, dem Todestag von Johann Sebastian Bach, gibt Hanns-Martin Schneidt sein erstes Konzert bei der Bachwoche, allein an der Orgel in St. Gumbertus. Und es sollten zahlreiche weitere Auftritte folgen.

Bereits 1963 wirkte er als künstlerischer Leiter der damaligen „Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach“. Unter diesem Namen fanden sich seit 1950 herausragende Orchestermusiker wie Solisten zusammen. Schneidt dirigierte die Solistengemeinschaft fast durchgehend bis ins Jahr 1991.

Daneben gab es zahlreiche solistische Auftritte Schneidts, wie 1963, als er in zwei Konzerten das gesamte Wohltemperierte Klavier am Cembalo interpretierte. Auch als Kammermusiker oder Chorleiter (u.a. mit den Regensburger Domspatzen) interpretierte Schneidt Bach in Ansbach. „DIE WELT“ schreibt 1977 über seine Konzerte: „Schneidt verkörpert geradezu ein Grundprinzip der Bachwoche: Ihn reizt nicht der ideologische Streit um die wahre Aufführungspraxis, sondern die konkrete Aufgabe, die Partitur unter den gegebenen Möglichkeiten. Keine Indifferenz, sondern unvoreingenommener Gestaltungswille“.

 

Die Bachwoche Ansbach erinnert sich gerne an Hanns-Martin Schneidts großartiges Wirken und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren

 

Zur Person

Hanns-Martin Schneidt, 1930 im fränkischen Kitzingen geboren, wuchs in Leipzig auf, wo er Mitglied des Thomanerchores wurde. Nach dem Studium in München leitete er von 1961 bis 1963 das von ihm gegründete Bach-Collegium und den Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Danach wechselte er nach Wuppertal, wo er von 1963 bis 1985 GMD des Sinfonieorchesters Wuppertal war und später auch Chef der dortigen Oper wurde.

Von 1984 bis 2001 leitete er als Nachfolger von Karl Richter den Münchener Bachchor. Ab 1985 war er zugleich auch Professor für Orchesterleitung und Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater München. Ab 2001 nahm Hanns-Martin Schneidt zudem eine Professur an der Tokyo National University of Fine Arts and Music an und war von 2007 bis 2009 Chefdirigent des Kanagawa Philharmonic Orchestra.