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Olivier Latry spielt Bach.

Das letzte in der Kathedrale Notre-Dame de Paris entstandene Video

Der Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat uns alle tief erschüttert. Vieles ist mittlerweile darüber gesagt und geschrieben worden, und alles ist richtig: Nicht nur das spirituelle und historische Zentrum Frankreichs wurde mit diesem 850 Jahre alten Bauwerk verwüstet, sondern das Herz der europäischen Kultur. Es hat Kriege und Revolutionen überlebt, nun aber nicht die – allerdings stets notwendigen – Reparaturarbeiten. Hoffentlich hält die Statik, bleiben die Mauern stehen, bis der Wiederaufbau beginnen kann!

Die Musiker interessiert nun auch: was ist aus der großen Orgel geworden? 1868 von dem berühmten Meister Aristide Cavaillé-Coll (unter Verwendung von Pfeifen aus den Vorgängerinstrumenten) erbaut, zählt sie – nach einer letzten Überarbeitung im Jahre 2014 – mit über 8.000 Pfeifen zu den größten Orgeln der Welt. Die 110 Register verteilen sich auf fünf Manuale und Pedal – der moderne Spieltisch gleicht einem Cockpit.

Das spektakuläre Instrument war der Blickfang unter der Westrosette. Orgelfreunde gehen ja immer rückwärts in Kirchen... Auf der Empore, von der aus man eine prachtvolle Sicht in das Kirchenschiff genießen konnte, gab sich die internationale Orgelwelt ein Stelldichein. Niemanden, der dieses auf einen machtvollen 32-Fuß-Bass gegründete Instrument gehört hatte, konnte der Klang kalt lassen – es in diesem erhabenen Kirchenraum zu erleben, gehörte nicht nur zu den Höhepunkten einer jeden Parisreise, sondern konnte ganze Leben musikalisch prägen.

Bewegende E-Mail aus Paris

Olivier Latry, der Titularorganist – er teilt sich mit Michel Bouvard, der auch schon bei der Bachwoche war, die Orgel-Professur am Pariser Conservatoire – hat nun allen seinen Freunden eine bewegende Mail geschrieben. Die Orgel ist – wie auch die Kirchenfenster und viele andere Kunstschätze – den Flammen und dem Löschwasser entgangen. Dicker Staub liegt auf dem Instrument, aber der wird zu entfernen sein. „Il est très empoussiéré, mais pourra continuer à nous émouvoir dès lors que son écrin aura retrouvé sa magnificence“, schreibt er poetisch, also: Erklingen wird das Instrument erst wieder können, wenn der Raum wiederhergestellt ist. Wann das sein wird, weiß niemand. „Zerstört den Tempel und ich baue ihn in drei Tagen wieder auf“, zitiert der erschütterte Organist das Johannes-Evangelium. Aber ohne Hoffnung ist dieser faszinierende und kreative Musiker nicht.

(Andreas Bomba)

 

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